Wo ist eigentlich Peter Harry Carstensen?
Kürzlich gastierten Bundeskanzlerin Angela Merkel und weitere Politiker hohen BRD-Ranges in Lübeck. Dort sprach die CDU-Vorsitzende auf einer Regionalkonferenz und konnte sich zudem ein Bild von den Zuständen im nördlichsten Bundesland machen. Dies ist nicht unbedingt der weiteren Beachtung wert, kommt doch eh immer das gleiche volksferne Gerede dabei heraus. Doch der ‚Erlebnisbericht’ von Erich Maletzke, der am 22.Oktober 2010 in den Husumer Nachrichten zu lesen war, amüsierte uns derart, daß wir die besten Zeilen hier noch einmal unverändert – lediglich hier und da kommentiert – wiedergeben möchten.

Zunächst wird Merkels Start in den ereignisreichen Tag beschrieben: „(…) Am Vormittag im Kabinett, das ist eine Umgebung, in der sie sich auskennt. (…) Am Nachmittag bei den Unternehmern. Dort droht keine Gefahr, da geht es gesittet zu. Und am Abend in Lübeck schließlich richtiges Volk. Zunächst sehr unzufriedenes Volk.“ Maletzke beschreibt dann die Aufstellung der Demonstranten, zum einen waren dort die Blinden, zum anderen die Gegner der festen Fehmarnbelt-Querung, Atomkraftgegner sowie diejenigen, welche die Abschaffung von Hartz IV forderten. Manch ein Demonstrant wurde hier sicher zum ‚Groundhopper’ und fand sich auf jedem der Plätze einmal wieder. Ach, und dann gab es da ja noch eine weitere Gruppe: „Die Delegation der Linken schwenkt heftig rote Fahnen, verrät aber nicht, gegen wen sich ihr Protest richtet.“ Zur Verteidigung der Anhänger dieser SED-Nachfolgepartei muß man sagen, daß sie dies eigentlich nie so recht wissen. Und jede Thematisierung ihres sogenannten Protests würde sie bloß als grenzenlose Multi-Kulti-Anhänger, Fans von Linksextremisten oder Gewaltchaoten sowie als Altkommunisten entlarven. Da macht man dann halt lieber das mit den Fähnchen …

 Nun ging es aber endlich in das warme Gebäude hinein, wo auch der Lärm von draußen nicht mehr zu hören war. Und Herr Maletzke führt seinen Bericht fort, zitiert dabei selbst so manchen Anwesenden:
 „Wo ist eigentlich Peter Harry Carstensen? Wenn die Kanzlerin und Parteivorsitzende Funktionsträger aus Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern lädt, (…) dann müßte doch eigentlich der örtliche Regierungschef dabei sein. Aber der Ministerpräsident kommt nicht. Auch kein einziger Minister seines Kabinetts gibt sich die Ehre. Wo ist Carstensen? Der Landesgeschäftsführer sagt: ‚Ich weiß es nicht. Ganz ehrlich.’ Von Boetticher sagt: ‚Vielleicht ist er in Rheinland-Pfalz? Aber er hat sich bei mir wieder nicht abgemeldet.’ ‚Bestimmt ist er auf der Jagd’, mutmaßt ein ehemaliger Landtagsabgeordneter. Selbst die Kanzlerin wird später etwas spitz bemerken, daß ja leider kein Ministerpräsident gekommen sei, nur derjenige, der es werden wolle (…).
“ Ja, aber wo ist denn nun Peter Harry? Hat er vielleicht seinen China-Urlaub verlängert und wäscht noch ein bißchen schmutzige Wäsche im Jangtsekiang? Oder jagt er den Axt-Angreifer durch die schleswig-holsteinischen Wälder? Wir vermuten, daß in irgendeinem Dorf eine Currywurstbude Eröffnung feiert und dem Ministerpräsidenten ein Freibier und eine Currywurst versprochen hat. Doch wer weiß es schon, wenn es nicht einmal seine Kollegen wissen!

Zudem läßt Maletzke uns wissen: „Ernsthaft vermißt hat Angela Merkel den Parteifreund Carstensen aber wahrscheinlich nicht. Nach dessen Bemerkung an die Adresse der Berliner Regierung, ‚die haben sie wohl nicht alle’, ist er nämlich in dauerhafte Ungnade gefallen, und die Kanzlerin soll sich mit der Bemerkung revanchiert haben, den Kieler Kollegen nehme sie ohnehin nicht mehr ernst.“ Später ergänzt er noch: „Daß die Schleswig-Holsteiner Dickschädel seien, habe die Kanzlerin am Parteifreund Carstensen bemerkt.“ Nach der etwas unbeholfenen Rede von Boettichers hat dann auch die Kanzlerin das Wort ergriffen. Der shz-Schreiberling setzt seinen Bericht fort: „Man spricht alles an, legt sich jedoch nicht fest. (…) Im Eifer der freien Rede kommen dann schon mal ungewollt unterhaltsame Aussagen zustande, etwa: ‚Unsere Gesellschaft wird älter, und das ist schön, weil die Älteren länger leben.’ Andere Behauptungen sind zumindest anzweifelbar. Das gilt für die Warnung, wenn der Staat jedem Bürgerbegehren nachgegeben hätte, gäbe es weder Eisenbahn noch Strom.“ Fühlt man sich nicht unglaublich wohl und behütet, wenn man weiß, daß man eine derart weise und beredte Frau an der Spitze des Landes stehen hat?

Zahlreiche Bürger befragten die Kanzlerin dann zu verschiedenen Themen, auf die sie größtenteils auch antwortete, aber doch mal wieder nicht viel aussagte. Und überhaupt, „den größten Teil der versammelten CDU-Familie scheint das regionale Thema nur mäßig zu interessieren“. Dies bezieht sich vorrangig auf die Sorgen der Anwesenden bezüglich der festen Fehmarnbelt-Querung. „In ihren Antworten reagiert die Kanzlerin wie man es kennt: Als Abgeordnete aus Mecklenburg-Vorpommern müßte sie eigentlich gegen eine feste Beltquerung sein, als Kanzlerin aber an das gesamtwirtschaftliche Wohl denken.“ Also wo gehobelt wird, da fallen Späne? Oder wie haben wir das zu verstehen? Demnach erkennt Frau Merkel die berechtigten Sorgen der Bürger dieser Region, doch wirklich interessieren tut sie das nicht, schließlich handelt sie ja nur im EU- oder eben auch BRD-Interesse, nicht aber im Interesse des Volkes – und bei den Querelen mit Carstensen schon gar nicht im Sinne der Schleswig-Holsteiner!

Zum Ende ergab sich noch etwas Amüsantes: „Als die Nationalhymne zum Abschluß gesungen wird, scheint dies die Kanzlerin ein wenig zu irritieren.“ Woran das wohl liegen mag! Offensichtlich ist Frau Merkel es nicht gewohnt, außerhalb eines Fußballstadions einmal das Deutschlandlied zu hören. Sicherlich vermißte sie es auch, dabei nicht neben Herrn Erdogan zu stehen, um danach lächelnd der türkischen Hymne zu lauschen. Ach, und daß keine Ausländerbanden während des Deutschlandliedes Pfiffe und Buhrufe ertönen ließen, kennt man ja auch nicht wirklich. Frau Merkel, vielleicht sollten Sie mehr Veranstaltungen der NPD besuchen, da können Sie das Deutschlandlied noch einmal üben – in all seinen drei Strophen!

Wir danken Herrn Maletzke für den amüsanten Erlebnisbericht und würden uns wünschen, daß der schleswig-holsteinische Zeitungsverlag weitere Artikel diesen Formats folgen läßt, schließlich hat man nicht oft zu schmunzeln oder gar zu lachen, wenn man die Tageszeitung öffnet.

Bleibt letztlich nur die Frage offen: Wo ist eigentlich Peter Harry Carstensen? Denn auch in Nordfriesland vermissen wir ihn schon, war er doch nicht einmal bei den Husumer Krabbentagen! (Und die sind ja wohl noch wichtiger als so eine CDU-Regionalkonferenz …)
Peter Harry, wo bist Du? Sachdienliche Hinweise über seinen Verbleib belohnen wir wahlweise mit einem Krabbenbrötchen, einer Kohlroulade oder einem Dosenbier!

Arne Kaehne und Josephine G.
22.10.2010

Quelle: Kreisverband Nordfriesland
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